Die Lebensqualität sichern


Die Lebensqualität sichern

Letzte Folge und Resümee unseres geschichtlichen Rückblicks

Seit der ersten gelungenen Stomaoperation im Jahr 1793 durch Duret in Frankreich hat ein künstlich geschaffener Darmausgang und später auch eine künstliche Harnableitung zahllosen Menschen mit lebensbedrohlichen Krankheiten das Leben gerettet. Viele bedeutende Ärzte haben die Operationsmethoden fortwährend verbessert und weitere neue chirurgische Lösungen gefunden: Heute werden künstliche Darmausgänge immer häufiger so angelegt, daß sie zu einem späteren Zeitpunkt nach Ausheilung einer Krankheit auch wieder zurückverlegt werden können.

Daß für einen Stomaträger die gewonnene Lebenszeit auch eine Zeit mit hoher Lebensqualität ist, dazu hat erst die junge Entwicklung der modernen Stomaversorgung geführt. Drei bahnbrechende Ideen haben zu den Stomaversorgungen geführt, wie wir sie heute kennen.

1934 erfindet in Chicago der Chemiker Henry Koenig – selbst Stomaträger – eine neuartige flache Stomaversorgung mit einen wiederverwendbaren Gummibeutel zum Ausstreifen. Die später zusammen mit dem Produzenten Henry Rutzen serienmäßig hergestellten Koenig-Rutzen-Beutel setzen zusätzlich zur Halterung durch Gürtel auch schon Gummiklebstoff für eine dichtere Haftung an der Haut ein und revolutionieren die bis dahin völlig unzureichende Versorgung von Stomata des Dickund Dünndarmes.

Ein weiterer Meilenstein ist 1954 die Erfindung der dänischen Krankenschwester Elise Sørensen: der Versorgungsbeutel als selbstklebendes Wegwerf-Produkt.

Die dritte entscheidende Idee hat 1969 der australische Chirurg Edward S. R. Hughes: der Einsatz von Hydrokolloiden als zuverlässiges Hautschutz- und Haftmaterial.

Seit den 90er Jahren gibt es bei den Versorgungsprodukten ständig Verbesserungen in den Details. Heute gibt es Versorgungsbeutel mit Filtern gegen den Geruch und für den nötigen Luftaustausch. Ein weiches Vlies erhöht den Tragekomfort und mindert Geräusche. Konvexe Versorgungsplatten ermöglichen auch bei nicht prominenten Stomata einen sicheren Halt der Versorgung und verhindern so eine Unterwanderung durch Stuhl.

Entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität von Stomaträgern hat auch die Schaffung des völlig neuen Berufes „Stomatherapeut“ 1961 in Ohio beigetragen. Seit 1978 werden Stomatherapeuten ebenfalls in Deutschland ausgebildet.

Aus den Vereinigten Staaten der 50er Jahre stammt auch der Gedanke an Selbsthilfegruppen für Stomaträger. 1972 gründet sich dann in Wiesbaden der Vorläufer der ILCO, die heute mit mehr als 9000 Mitgliedern eine der größten Organisationen und Interessensvertretungen in der deutschen Gesundheitsselbsthilfe ist.

Die jüngste gravierende Neuerung betrifft die Kommunikation. Durch das Internet ist es seit 1993 allen viel leichter möglich, schnell und jederzeit an Informationen zu gelangen und auch Gedanken auszutauschen. So gibt es im Internet seit 2001 in Deutschland unter www.stoma-forum.de eine herausragende Plattform für Stomaträger und deren Angehörige.

Es ist eine gute Zeit, in der Stomaträger heute leben können. Es hat lange gedauert, dies zu erreichen.

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